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Interview mit einem Stammzellspender

Stammzellspende bringt Hoffnung ans andere Ende der Welt!

Interview mit einem Stammzellspender,
erschienen in “nah dran”, Mitarbeiterzeitschrift der Firma E.ON Avacon im Dezember 2010

Im Jahre 2001 führte E.ON Avacon eine groß angelegte Typisierungsaktion durch. Eine an Leukämie erkrankte Kollegin benötigte dringend eine Stammzellspende und dank des Engagements des Betriebsrates und der Zusage einer finanziellen Förderung durch den Vorstand ließen sich rund 930 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 18 Standorten typisieren. Teilgenommen hat damals auch der Monteur J. L.

Herr L., was hat Sie im Jahre 2001 bewogen, an der Aktion teilzunehmen?
Ich hatte schon länger über eine Registrierung in einer Knochenmark- und Stammzellspender-Datei nachgedacht, die Typisierungsaktion in den Räumen von E.ON Avacon war dann der Anstoß, es wirklich zu tun.

Rechneten Sie damals damit, dass Sie je als Spender in Frage kommen würden?
Nein, ich habe eine kleine Blutentnahme vornehmen lassen und damit ja schon meine generelle Bereitschaft zu einer späteren Stammzellspende signalisiert, dann war die Sache aber eigentlich abgeschlossen.

Und jetzt hat das NKR Kontakt zu Ihnen aufgenommen!
Ja, Ende August 2010 – also neun Jahre später – erreichte mich ein Brief vom NKR. Meine Stammzellen schienen mit denen einer Empfängerin am anderen Ende der Welt, in Südafrika, zusammenzupassen. Meine Spendebereitschaft wurde erneut erfragt. Mir war sofort klar, wenn jemand durch meine Stammzellspende Hilfe bekommen kann und eine neue Chance aufs Überleben hat, gibt es für mich – allein aus moralischer Sicht – kein Zurück.

Wie ging es dann weiter?
Der Hausarzt entnahm einige Röhrchen Blut und sandte diese an das NKR mit Sitz bei der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Das Blut wurde tiefer gehend untersucht. Und ein wenig später bekam ich einen Anruf vom NKR: 100%ige Übereinstimmung!

Was haben Sie in diesem Moment gefühlt?
Es ist eine große Freude – eine Freude, die auch die erste Angst vor dem Unbekannten, auf das ich mich ja einlasse, überwiegt.

Wie verlief dann die eigentliche Stammzellenentnahme?
Zunächst einmal wurde Anfang September das Verfahren der Entnahme besprochen. Bei mir favorisierte man die Entnahme der Stammzellen aus dem Blut. Durch Hormongabe wurde die Stammzellproduktion angekurbelt. Als Nebenwirkungen traten lediglich leichte grippeähnliche Symptome auf. Dennoch konnte ich meiner Arbeit als Monteur weiter nachgehen. Zur eigentlichen Stammzellentnahme Ende September musste ich mich in der MHH einfinden und lag dort einige Stunden ganz ruhig im Behandlungsbett, während mein Blut durch eine Zentrifuge geleitet wurde. Es wird ein Optimum von 5 Millionen entnommener Stammzellen pro Kilogramm Körpergewicht des Patienten angestrebt. Ein zweiter Entnahmetag mit einer Behandlungsdauer von wieder einigen Stunden war nötig. Und dann stand schon der Kurier der südafrikanischen Klinik zum Transport der Stammzellen bereit. Im Grunde war alles ganz problemlos. Ich habe mich durch die Mitarbeiter des NKR und das medizinischen Personal sehr gut betreut gefühlt. Auch über medizinische Hintergründe wurde ich sehr gut informiert.

Herr L., was bedeutet diese Hilfeleistung in Form einer Stammzellspende für Sie ganz persönlich?
Zunächst einmal ist der Aufwand für die Hilfeleistung gering. Ich habe mich an drei Tagen zum Gespräch und zu kurzen Behandlungseinheiten in der MHH zur Verfügung gestellt. Aber da gibt es einen Menschen, dem gerade dadurch eine Chance auf ein Überleben gegeben wird. Man gibt wenig und bewirkt viel. Ja, ich habe das Gefühl, Gutes getan zu haben. Natürlich nehme ich in gewisser Art und Weise Anteil am Schicksal der an Leukämie erkrankten Frau in Südafrika, wenngleich hier wenige Angaben vorliegen. Aber vor allem setze ich mein eigenes Leben in Relation und bin dankbar für so viel Gutes.

Vielen Dank, Herr L., für das offene Gespräch.

E.ON Avacon hat Herrn L. für die Untersuchungs- und Behandlungstage von der Arbeit freigestellt und auf eine Erstattung von Ausfallzeiten durch das NKR verzichtet, um dadurch weitere Typisierungen zu ermöglichen. Wir hoffen, dass die Erfahrungen von Herrn L. weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder auch deren Angehörige motivieren, sich für eine Typisierung durch das NKR zu entscheiden.