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Tagebuch einer Knochenmarkspende

Plötzlich Lebensretter

Aus dem Tagebuch eines Knochenmarkspenders

Ich hatte schon nicht mehr daran gedacht, umso überraschender kam der Anruf, dass ich als Stammzellspender in Frage kommen würde. Nach einem ausführlichen Informationsgespräch, in dem ich auch über die Spenderisiken informiert wurde, begannen die Untersuchungen. Ich hatte eine Begleitperson an meiner Seite, so dass ich ein wenig Unterhaltung während der Wartezeit hatte. Ob ich Angst hatte? Etwas mulmig war es mir schon.

Einige Wochen vor der Spende:
Mir wurde Blut abgenommen. Die Lunge wurde geröntgt. Ich absolvierte einen Lungenfunktionstest, meine inneren Organe wurden per Ultraschall überprüft. Es folgte ein EKG. Das ganze zog sich über mehrere Stunden hinweg, da sollte man schon etwas Zeit mitbringen. Ich hatte das Gefühl, auf Herz und Nieren überprüft zu werden. Einerseits war das ja klasse: Endlich wurde man einmal ganz durchgecheckt. Andererseits hatte ich auch immer irgendwie so ein seltsames Gefühl: Was, wenn die Ärzte jetzt wirklich eine furchtbare Krankheit feststellten? Manche Dinge möchte man vielleicht gar nicht wissen…

Das Ergebnis lautete: Ich kann keine Stammzellen aus dem Blut spenden. Es bleibt nur die Entnahme von Knochenmark unter Vollnarkose. Aus diesem Grund wurde ich ein weiteres Mal untersucht. Danach wurde ich für spendertauglich erklärt. Da mein Eisengehalt im Blut zu niedrig war, bekam ich Eisentabletten verschrieben.

Am Tag vor der Entnahme:
Am Tag vor der Entnahme erfolgte die Aufnahme ins Krankenhaus. Auf der Station waren auch Patienten, welche schon eine Chemotherapie hinter sich hatten. Da bekommt man als gesunder Mensch gleich einen Eindruck, wie wichtig und notwendig Spender sind. So wie ich das verstanden habe, ist eine Stammzellenspende die letzte Therapie, wenn alles andere nicht angeschlagen hat. Nach der üblichen Blutentnahme, um ein Blutbild zu erstellen und damit festzustellen, dass man auch wirklich gesund war, erfolgte eine kurze Untersuchung und noch einmal eine Information über den Eingriff. Dann wurde ein Zugang gelegt, und am Abend gab es eine Einschlafhilfe, schließlich ist man ja schon etwas aufgeregt.

Am Morgen der Spende:
Im Bett wurde ich am nächsten Morgen in den OP gerollt, wo mir ein Narkosemittel verabreicht wurde. Das Team war sehr professionell, wir unterhielten uns ein wenig und – bums – war ich weg. Ich glaube, dass ich ein wenig geträumt habe, jedenfalls wurde ich wach. Während der Aufwachphase habe ich mich geräkelt und gestreckt, um “durch” zu kommen. Dann kam auch schon der freundliche Pfleger und fuhr mich wieder zurück auf die Station, wo mir meine Eigenblutspende verabreicht wurde.

Die Ärzte hatten mir 1,5 Liter Knochenmark und Blut entnommen. Fünfmal hatten sie dazu meinen Beckenknochen punktiert. Laut Professor Hastig ergab die Punktion ”einen schönen großen Beutel voll”. Die Menge wurde benötigt, da der Empfänger ungefähr 80 Kilogramm wog. Für ein Kind kann es weitaus weniger sein. Wenn es beispielsweise um 10 Kilogramm wiegt, werden 380 ml entnommen.

Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, ich habe keine Schmerzmittel bekommen. Sie sind zu vergleichen mit einem Muskelkater. Am frühen Abend nach der Entnahme habe ich dann schon den einen oder anderen Spaziergang im Krankenhaus gemacht, um wieder auf die Beine zu kommen und damit der Kreislauf belastet wird.

Am Abend der Spende:
Am Abend der Spende wurde ich noch einmal untersucht. Es wurde wiederum ein Blutbild erstellt, um meine Werte zu überprüfen, und es gab ganz normal Abendbrot. Ein bisschen schlapp habe ich mich noch gefühlt. Die Schmerzen bewegten sich in der Region “unangenehm aber erträglich”, dazu muss ich sagen, dass ich ein Jammerlappen bin und selbst die kleinste Spritze mir unangenehm ist, obwohl ich seit ca. zehn Jahren Thrombozyten spende.

Am Tag nach der Entnahme:
Ich übernachtete im Krankenhaus. Am Morgen gab es normal Frühstück, die Nachtruhe war nicht so gut, obwohl das auch an der ungewohnten Umgebung gelegen haben kann. Nach einer weiteren Blutuntersuchung, Abtastung der Organe, Blutdruckmessung etc. durfte ich gegen 10 Uhr das Krankenhaus verlassen.

Fazit: Wegen der zu entnehmenden Menge hatte ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht, auch die Vollnarkose behagte mir nicht so sehr. Letztlich bin ich aber über den Verlauf der Entnahme sehr zufrieden. Ich liege gerade auf dem Rücken im Bett und schreibe diesen Bericht. Es ist noch ein Druckschmerz zu spüren, aber das wird sich wohl bald geben. Mein Hämoglobinwert lag nach der Entnahme bei zwölf und wurde durch die Eigenblutspende gesteigert. Ein wenig schlapp fühle ich mich noch. Ich hoffe, mit diesem Erfahrungsbericht zukünftigen Spendern etwas unter die Arme zu greifen, um Zweifel oder Ängste zu nehmen.

Kopf hoch, wir tun Gutes!

Michael

Nachtrag:

Zwei Tage nach der Spende:
Kleiner Nachtrag für die Sportlichen unter uns Spendern: ich habe es gerade mal geschafft, ca. zwei Kilometer mit dem Rad zu fahren, dann war der Ofen aus. Und zwar richtig.

Bei mir hängt dies natürlich mit der entnommenen Menge zusammen, mir wurde erklärt, dass diese ca. 20 Prozent meines Blutvolumens entspricht.

Drei Tage nach der Spende:
Heute am dritten Tag nach dem Spenden fühle ich mich schon fitter. Auch habe ich mal nach dem geschaut, was sich unter dem Pflaster tut, und die Wundheilung ist meiner Meinung nach OK.